Sortenechtheit und Saatgutreinheit

Sortenechtheit heißt das der Inhalt des Samenpäckchens mit der Beschriftung des Päckchens übereinstimmt.
Die Sortenreinheit sagt etwas über die Homogenität (=Gleichheit) der Samenkörner einer Sorte aus. Saatgut aus dem Erhaltungsanbau oder von privaten Initiativen kann sich in den Merkmalen einer Sorte leicht unterscheiden. Doch größere Unterschiede, wie stark unterschiedliche Fruchtfarben, -formen und Wuchshöhen deuten auf eine Fremdbestäubung oder eine Sortenvermischung bei dem Abfüllen der Samenpäckchen hin.
Sortenechtheit und Sortenreinheit sollten eine Grundvorraussetzung für angebotenes Saatgut sein! Egal ob es aus einem proffessionellem Züchtungsbetrieb oder aus einer privaten Sortenerhaltung eines Hausgartens kommt.

Sortenentwicklungen

Je differenzierter, professioneller die Saatgutauslese und Züchtung wird, umso weniger Sorten zugunsten der Sortenreinheit werden in den Gärten angebaut. Allerdings können wir nicht mit wenigen Sortenmonokulturen eine nachhaltige, dauerhafte Nutzpflanzenentwicklung am Leben halten.
Für mich gibt es in der Sortenentwicklung drei Stufen:

  1.  Freies Saatgut,
  2.  Erhaltungszucht und
  3.  Professionelle Zucht.

Die Übergänge sind fließend. Ich baute in meinem Garten jährlich über 100 Tomatensorten und kultiviere einzelne Sorten bei gleichgesinnten Partnern. Mein Saatgut bezeichne ich als freies Saatgut. Für die weiteren Entwicklungsstufen fehlen mir die Kapazitäten an Platz, Raum und Zeit.

1. Freies Saatgut
Hausgärtner oder  freie Garteninitiativen können nur selten eine perfekte Sortenechtheit oder - reinheit ihres Saatgutes bieten. Ihnen fehlt es oft an technischen Einrichtungen und Platz um einzelne Sorten frei von Fremdbefruchtung anbauen zu können. Allerdings bieten diese Gärten eine große Vielfalt an Sorten, unkonventionellen Anbaumethoden und Liebe zur Sache.
Gerade diese Saatgutquellen sind als Grundlage einer weiteren Auslese für die Erhaltungszucht und die Entwicklung neuer Sorten notwendig. Jedes Pflanzenindividuum kann genetische Vorzüge gegenüber widrigen Lebensumständen oder liebenswerte Sortenmerkmale haben. Freie, private Gärten gleichen Schatzkammern in denen sich das Leben frei entfalten darf. Je mehr Möglichkeiten offen gehalten werden desto mehr lassen sich Lösungswege für bestehende und künftige Probleme finden.

2. Erhaltungszüchtung
Hier werden die Sorten in etwas größeren Stückzahlen und voneinander isoliert angebaut. Das Ergebnis ist eine hörere gute Homogenetät und Krankheitstoleranz sowie genügend genetischer Ressourcen für weitere Anpassungen an die Lebensumstände.

3. Konventionelle, professionelle Züchtung
Professionelle Züchter sind an das Saatgutverkehrsgesetz gehalten. Ihre Sorten müssen homogen, gesund und sortenecht sein. Ihr Sortiment ist oft im Vergleich zu dem von Erhaltungsinitiativen wie Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt oder Arche Noah relativ klein. Doch dafür bieten die Sorten zahlreiche Vorteile in Erntezeit, Ertrag, Krankheitstoleranz, Wuchs und anderen speziellen Sortenmerkmalen. Durch die lange und intensiver züchterische Arbeit sind diese Sorten schon viel ausgereifter.
Diese Sorten sind nach meiner Meinung für den proffessionellen Pflanzenanbau unentbehrlich. Wäre ich Lebensmittelerzeugerin würde ich mein Hauptsortiment fast nur aus Züchtersaatgut wählen und einzelne Nebenkulturen aus freien Saatgut und Erhaltungssaatgut wählen.
Wer Saatgut beim konventionellen Züchter kauft spart sich viel Auslesearbeit und die ganzen Schritte für die Saatgutaufbereitung. Jeder der etwas ernsthafte Gartenerfahrung hinter sich hat weiß wie komplex der Umgang speziel mit Nutzpflanzen ist.