Kommentar 28.08.2020

28.08.2020 Mein Kommentar : Was hat die Fruchtendfäule meiner Tomate mit der Landschaftszerstörung zu tun?

Mich erreichen immer wieder Anfragen, das die Pflanzen nicht gut wachsen und sich zunehmend mit Schadsymtomen wie Fruchtendfäule und mit mehr Krankheiten und Schädlingen herrumplagen. Einzelnes mag noch mit einer gezielten Düngung, mehr Bodenpflege, der Schaffung von pflanzenfreundlicheren Wachstumsbedingungen oder einer geschickten Pflanzensortenauswahl verbessern. Auf lange und oft schon auf mittelfristige Sicht reicht schon lange nicht mehr die Schäden oder gar deren Ursache mit nur einer Gegenmaßnahme in den Griff zu bekommen.

Auch "früher"  gab es heiße, trockene Sommer und einfach schlechtes Wetter. Allerdings wird in den letzten Jahrzenten die Natur, hier im speziellen die lokalen Wasserkreisläufe, durch die zunehmende Landschaftszerstörung im Großen wie im Kleinem massiv gestört und die Folgen nun deutlich sichtbar. Wetterkapriolen  wie lange dauernde Trockenzeiten treffen jetzt einen immer stärker geschwächten "Patienten". 
Mein Gartenboden in der Gemüsebauregion Vorderpfalz ist teilweise noch in 60 cm Tiefe trocken. Da kann sich trotz intensivem Gießen kein Bodenleben entfalten und es kann auch kein organischer Dünger wirken. Im Hausgarten sehen wir diese Entwicklung an gestressten Pflanzen und teilweise geringeren Ernten. Selbst wenn wir genügend wässern und uns intensiv um die Pflanzengesundheit kümmern sind die Ernten durch die äußeren Umstände nicht mehr optimal.

Anders als vor 100 Jahren haben wir es global mit gestörten Böden, fehlenden Hecken, Bäumen, fehlenden natürlichen Artenreichtum zu tun. Die Ackerflächen werden heute zugunsten weniger Agrar ? -großunternehmen maschinengerecht komplett ausgeräumt. 
Alleine das hat schon gravierende Folgen:
- Die Abnahme der Artenvielfalt und die Monotonisierung des Landschaftsbildes,
- extremes Wetter mit Trockenzeiten, lokalen Starkniederschlägen, mehr ungebremsten, austrocknenden Wind,
- gestörter Wasserkreislauf: Das Wasser der tieferen Bodenschichten kommt nicht an die Oberfläche weil einfach die längeren Gehölzwurzeln oder schon die Pflanzen an sich fehlen....und es fehlen Wasserrückhaltemöglichkeiten z.b. in Form von Feuchtgebieten, Auwäldern...
- Bodenerossion: dem Boden wird mehr genommen als gegeben, unendlich viel gute Erde wird vom Regen weggespült oder vom Winde verweht einfach weil die Äcker inzwischen kahl sind. Hinzu kommt noch die direkte Bodenzerstörung durch unsachgemäßes Befahren mit schwerem Gerät, den üppigen Gebrauch von Düngern oder Pestizeden etc. Mit dem Humus, der in guten Böden deren gesunde Vitalität garantiert, gehen die Erträge immer stärker zurück.
Das jetzt auch in Wohngebietnähe die laut dröhnenden Generatoren zur Bewässerung die ganze Nacht laufen fällt dabei kaum noch ins Gewicht. Wer stört sich den heute noch an Lärm?

Ich bin fassungslos wie viele die Mär glauben, daß nur eine stark industrialisierte, technisierte Landwirtschaft die zunehmende Weltbevölkerung ernähren kann...Es mag auf den ersten Blick für einzelne tatsächlich eine Arbeitserleichterung sein doch wer weiterblickt sieht auch die vielen, die zum Wohle weniger die Zeche zahlen; und das Weltweit. Unzählige Bücher, Publikationen, Dokumentationen und Fernsehberichte bieten ein umfassendes Bild was weltweit geschieht.
Ich weiß die Technik als Arbeitserleichterung sehr zu schätzen und will auf keinen Fall ins Mittelalter zurück.
Doch jeder mit einem Hauch von echter Empathie sollte jeder ein gewisses Gespür haben wann es genug ist oder das etwas Grundlegendes nicht stimmt.

Aus Gesprächen mit vielen Kunden, Bekannten weiß ich das viele mit dieser agressiven Landwirtschaft unzufrieden sind und sich davon regelrecht bedroht fühlen.  Kein Wunder es ist für mich massenhaftes Töten, das für mich die "Krönung" erreicht wenn die Ernte wegen mangelnder Mage einfach vernichtet wird....Sind wir alle so seelisch arm geworden daß alles nur noch dem Diktat der "Wirtschaftlichkeit" dienen muss. Ich bezeichne dieses uns allen eingeimpfte Diktat  der "Effizienz" eher als Plünderung der scheinbar Wehrlosen und sadistische Zerstörungswut.

Bedroht fühle ich mich nicht nur alleine durch das Handeln einzelner, sondern noch viel mehr um diese stumpfe Teilnahmslosigkeit der breiten Masse, deren Hang zur Nekrophilie immer deutlicher zu Tage tritt.
Die Hausgärten werden trotz aller Kristik von Naturschutzverbänden zu Kieswüsten und zu Steinwüsten. Das einzig bewegliche dort ist ein Mähroboter der auf den Rasenflächen die wenigen verbliebenen Gartentiere verletzt oder ihnen gleich ganz den Garaus macht.  Mit knapper werdenden Wohnraum werden solche Flächen konsequent dann gleich zugebaut. Es ist ja eh schon alles kaputt... Das Raumklima wird mittels Klimaanlagen und Wärmepumpen auf erträglichen Temperaturen gehalten. Ob die Dinger weitere Ressourcen verbrauchen oder mit ihrem Dröhnen empfindlichen Mitwesen das Dasein noch mehr erschweren ist ja völlig egal - die Überempfindlichen sollen sich nicht so anstellen!

Das zunehmende Unbehagen wird mit Urlaubreisen oder im fortgeschrittenem Stadium mit der Sehnsucht zu einer autarken Existenz auf dem Lande übergangen. Die Idylle einer intakten Natur wird in den wenigen Oasen immer schwerer aufrechtzuerhalten wenn sich die Wüste ringsum ausbreitet...

Für mich reicht es nicht grün zu konsumieren, sich mit teuren Ökozertifikaten einen Sündenablass zu erkaufen  oder nur für sich selbst und bestenfallls für ihre Nächsten eine grüne Insel in der Abgeschiedenheit zu schaffen.  So wie es aussieht scheint der Rückzug noch der einzige Weg zu sein weil alles andere beim gegenwärtigem Geschehen  für die einzelnen Engagierten zu frustrierend ist.
Es gibt genug Gegenentwürfe, doch es scheitert an der konkreten Umsetzung. Umweltschutz legt jeder für sich anders aus und wie so oft fehlt ein gegenseitiges Verständnis das verschiedene Gegebenheiten ein spezielles Vorgehen erfordern.

Das Gegenwärtige ist für einzelne so attraktiv, das sie dem Zukünftigem kaum einem Raum geben.
Zwei Beispiele: Es ist nahezu unmöglich an gutes Land zu kommen und dieses auf Dauer auch gut bewirtschaften zu können.
Wie vielen gut ausgebildeten jungen Menschen wird weltweit eine sinnvolle, fair vergütete und wirklich zukunftsträchtige Tätigkeit verweigert oder durch die geförderten Lebensumstände vorenthalten?
Als schlimm empfinde ich, dass die vielen die wenigen auch noch hofieren und jede Rücksichtslosigkeit tolerieren.  Die wenigen profitieren nicht unbedingt von Ihren Leistungen sondern von Krisen – Ein super Geschäftsmodel.  Doch dieses Geschäftsmodel funktioniert nur weil es durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen möglich wird.
Krisen fördern genau die Denkmuster und das Handeln gemäß dem was die Krisen verursacht hat. Die große Menschenmenge ist vielleicht so manipuliert oder so von ihrer Existenznot vereinnahmt das sie in den vielen vermeintlichen Heilsbringern nicht die Verursacher ihrer Not erkennen.

Was bedeutet das jetzt konkret im Garten? Wir haben mehrere Jahre Trockenheit und teilweise starke Hitze und ebenso stark austrocknende Winde.  In einer intensiv ausgeräumten Monokultur gibt es keine windbremsenden, Gehölze, es fehlt eine schützende Pflanzenschicht die, die Erde vor Austrocknung und Winderossion schützt. Es fehlt am lichten Schatten,  Nahrung, Rückzugsorten für Insekten und Tiere. In einer kahlen, versiegelten Landschaft ist der Kreislauf und die Speicherung des Wassers gestört – es verdunstet mehr Wasser, durch mangelndes Wurzelwerk sinkt der Grundwasserspiegel und unser Boden trocknet jetzt auch in tieferen Schichten aus. Diese Entwicklung ist auch in unseren Gärten zu beobachten weil unsere Gartenerde komplex mit ihrer Umgeben verbunden ist. Nicht überall sind so gravierende Beobachtungen zu machen, doch es werden immer mehr...

Bereits mehrere Historiker beschrieben immer wieder den Zusammenhang das Landschaftzerstörung mit abgeholtzen Wäldern, intensivierter Landwirtschaft unter anderem zu Überbevölkung in Ballungsräumen, Bodenverarmung, veränderten Niederschlägen, extremeren Wetterlagen, Artenrückgang, Übertragung von Tierkrankheiten auf Menschen und letzlich auch zur Ausbreitung von Krankheiten, Pandemien führt.
Die "Coronakrise" und die Ausbreitung von ganz anderen biologischen Kalibern  (Krankheiten, Seuchen, Krankenhauskeime),  macht ein desaströses Versagen auf vielen Ebenenen sichtbar...ich will nicht näher drauf eingehen; es ist eh schon so ein bestimmendes Thema geworden...Vielleicht sollten wir uns in Zeiten des Corna Wirbels und die unkalkulierbare Bedrohung durch mikrosopisch kleiner Lebensformen einmal die Fragen stellen wie wir leben wollen?

Ich kann hier nur winzig kleine Bruchstücke meines Erlebens mit den Pflanzen herrauspicken ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Ich sehe viele Pflanzen leiden oder rationaler ausgedrückt: die Zunahme von Stresssymtomen abiotischer Faktoren und deren Folge.  Die Beantwortung einzelner Pflanzenschutzfragen ist für mich nicht mehr so einfach wie es einmal schien.

Vielleicht ist die Welt in naher Zukunft bereits so zerstört das ein Überleben wirklich nur noch mit technischen Hilsmitteln möglich sein wird und wir sind froh so fortschrittlich zu sein. Die Menschheit wird dann fähig sein ganz ohne Pflanzen, Tiere oder sonstige Wesen der Schöpfung zu überleben und kann sich vielleicht zu recht in ihrer Überheblichkeit sonnen.
Dann brauchen wir vielleicht Jährliche Impfungen (Bakterien, Viren und andere "Krankheitskeime" verändern sich oft), Nahrungsmittel aus Replikatoren, jede Menge Ingenieure die unserer geschwächten Körper in unserer sinnlos gewordenen Existenz am "Leben" erhalten.  Unser Geist, Seele oder was auch immer darf sich vielleicht noch in Psyochositzungen bei teuer bezahlten Therapeuten oder Esotherikern entspannen oder sich gleich ganz in einer betäubend,  berauschenden virtuellen Realität aufhalten....Natürlich geht es dabei jedem gut und jeder ist glücklich.....
Wer hat Lust auf diese schöne neue Welt?
Wer will kann sich bei der Frage auch mit dem Thema Transhumanismus auseinander setzen, "interessante" Lösungsansätze, realistische Zukunftsvisionen kennenlernen und für sich entscheiden ob die Vorteile oder Nachteile überwiegen werden. 

Ich schreibe diesen Kommentar nicht um die einhundertmillionste Klage über die missliche Lage zu äußern. Ich schreibe ihn in der Hoffnung ähnlich denkende Mensche im realen Leben zu treffenund mit Ihnen im besten Fall Lösungen für eine friedvollere Existenz frei von Ideologien und Zwängen konkret umzusetzen.  Es ist ein Gewinn wenn viele Hausgärten wieder zu Oasen des Lebens werden, die verbleibene Natur mit mehr Leidenschaft  verteidigt wird oder ....  .

Zurück zur Fruchtendfäule: Ich kann vorsorglich eine Blatt- Düngung mit Calciumdünger durchführen, andere Sorten wählen, auf mehr Pflanzabstand sowie bessere Belüftung achten,  der Trockenheit mit lichter Beschattung, Windschutz und mehr Wasser begegnen.  Da die Bedingungen draußen härter werden muss ich  eventuel mit mehr Einschränkungen der Pflanzenvitalität rechnen und mir mehr Gedanken über bei mir umzusetzende, pflanzenfreundlichere Maßnahmen machen. Umso mehr freue ich mich über jede Gelegenheit in denen meine Befürchtungen doch nicht eintrefffen.

2020 war trotz der Trockenheit bis jetzt ein gutes Gartenjahr.
Die Schäden der grünen Gartenwanze hielten sich bei mir in 2020 sehr in Grenzen, ebenso die Fruchtenfäule. Das Aroma der Tomatenfrüchte ist sehr gut und ihre Schalen sind diesmal nur mäßig hart.
Lag es an den erträglichen Temperaturen, meinem vielen Gießens, der konsequenten Bodenabdeckung oder an meiner intensive Freude über die Pflanzen???