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Bunte Gemüse
Bunte Gemüse - ein Augenschmaus
Melanie Liguria
Melanie mit Liguria (eine von vielen Ochsenherztomaten) Foto Martina Lenz

Mein Wunsch zur Schöpfung von millionen privaten lebendigen Genbanken oder warum das Dasein mit individuellen leckeren Tomaten lebenswerter ist...

Was mir wichtig ist:

Ziel meines Unternehmens/meiner Lebensweise ist es Menschen und Pflanzen wieder miteinander zu verbinden.Ich wünsche mir mehr Respekt und Achtung für unsere wichtigen, grünen Mitbewohner. In Hinblick auf die gewaltige genetische Erosion richte ich meine Arbeit zur Entstehung von zigtausenden oder noch besser auf zigmillionen, private, lebendige Genbanken in unseren Hausgärten oder Äckern aus. Je mehr Saatgut auf traditionelle Weise erhalten und weiterentwickelt wird desto größere Chancen haben wir uns in Zeiten mit wechselnden Klima, unbeständigen wirtschaftlichen Verhältnissen, zunehmender Umweltzerstörung mit gesunden Nahrungsmitteln selbst zu versorgen.

Moderne professionelle Pflanzenzüchtung hat für mich ihre Berechtigung. Initiativen, Züchter wie Bingenheimer Saatgut AG, Rheinsaat , Dreschflegel oder Culinaris  beweisen das samenfeste Sorten  für den professionellen Anbau gut geeignet sind. Ebenso haben staatliche Genbanken, gemeinnützige oder private Erhaltungsinitiativen eine wichtige Bedeutung für die Bewahrung unserere Vielfalt. Doch all diese engagierten, faszinierenden, starken  aber oft überlasteten Menschen  können nicht mehr diese ganze Verantwortung alleine tragen. 

Ich sehe bei vielen meiner "Kunden" mit wieviel Liebe "meine" Tomatensorten in Ihren  Gärten gedeihen oft besser als bei mir... Das macht mir Mut weiterzumachen.  Je größer dieser Genpool unserer Gärten ist desto mehr Möglichkeiten entstehen wirklich gesunde und robuste Pflanzensorten in Zusammenarbeit mit professionellen Züchtern zu entwickeln... Die Züchtung   einzelnen großen Unternehmen mit einer uns vielleicht fragwürdig erscheinenden Haltung komplett zu überlassen erscheint mir doch sehr gewagt. Selbst wenn diese Unternehmen ethisch und ökologisch völlig korrekt arbeiten, (wie sie wirklich sind kann ich mir nicht anmaßen zu wissen) erscheint es mir nahezu unmöglich das sie all unsere Probleme mit der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen lösen. Da kommen zumindest in mir ganz viele, teils unbequeme Fragen zum Thema Selbstverantwortung auf und der Willen ihre Antworten immer authentischer zu leben....Inwieweit mir das gelingt ist eine andere Frage. Doch da ist eine Ausrichtung, ein Wunsch, ein Streben mit all seinen Aufs und Abs....  Das Leben mit Pflanzen kann manche Türen zur einer wunderbaren Wirklichkeit schaffen.....

Eine seltene Tomatensorte auf dem Balkon bringt freilich nicht die Riesenernte einer Hybridtomate im perfektem Gewächshausanbau - aber sie zeigt uns direkt welche Auswirkungen das Wetter, unsere Pflege auf ihr Wachstum hat. Ihre Früchte schmecken, frisch und vollreif geerntet, wesentlich besser als es bei den meisten Früchten mit langen Transportwegen der Fall sein kann. Aus dem derzeit noch großen Fundus an Nutzpflanzensorten können wir uns die passende Sorte wählen, selber vermehren und uns an etwas Außergewöhnlichem, das nicht jeder hat, freuen. Wer einen eigenen Nutz- Garten bestellt weiß, das unser üppiges Lebensmittelangebot keine Selbstverständlichkeit ist: Ohne proffessionellen Anbau oder fundiertem Gartenwissen können in einem derart kalten, regnerischen und lichtarmen Sommer wie diesen in 2013 keine großen Ernten in einfachen Hausgärten zu erwarten sein. 

Außerdem liegt es in unserer Hand mit welchem Dünger wir die Pflanzen versorgen und ob wir sie mit Pestiziden gegen Schädlinge behandeln wollen. Die vielen abschreckenden Berichte über Lebensmittelskandale und die Nachteile der industiellen Landwirtschaft (die in unserer Zeit zweifelslos auch ihre Vorteile hat, bis sich wirklich brauchbare Alternativen durchsetzen, ohne das jemand davon Schaden trägt (Stichwort: Lohn oder Ökosystem) entwickeln....) wecken in vielen Menschen die Sehnsucht nach einem kleinem Stück 'Heile Welt'.

Seltene Gemüsesorten brauchen unseren Schutz

Vielfaltsgärtnern in Zeiten von Saatgutmonopolisierungen, Globalisierung und urbananem Gartenglück:

Plädoyer für die Erhaltung und Erweiterung  unseres Kulturgutes Sortenvielfalt

Vor 10.000 bis 15.000 Jahren fingen Menschen an, Pflanzen gezielt für ihre Nahrung zu selektieren und anzubauen. Tausende von Menschengenerationen schufen in Kooperation mit den Pflanzen weltweit eine beinahe unendlich reiche Pflanzenvielfalt, so dass sie selbst in unwirtlichen Regionen ihr Überleben sichern konnten. Der enorme Sortenreichtum entstand in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und den Gärten der Menschen. Es mutet vielen Nutzpflanzenerhaltern und engagierten Verbrauchern seltsam an, dass nun einzelne Firmen Patente auf ein gemeinsam geschaffenes Kulturgut anmelden. Dieses Kulturgut Sortenvielfalt ist unsere Grundlage zum Überleben wie die Luft zum Atmen und darf nicht privatisiert werden.

Nutzpflanzenvielfalt geht verloren

Heute ist über 70 Prozent dieser Nutzpflanzenvielfalt verloren gegangen. Verantwortlich für diese genetische Erosion sind veränderte Lebensgewohnheiten und die zunehmende Konzentration auf wenige, der industriellen Landwirtschaft angepasste Hybriden. Diese unterscheiden sich kaum noch voneinander und sind zunehmend auf den Einsatz von teuren Dünge- sowie Pflanzenschutzmittel angewiesen.

Traditionell gezüchtete Landsorten bringen zwar keine Rekordernten, doch sie haben andere Vorzüge. Der Anbau und die Weiterentwicklung traditioneller Nutzpflanzen können mit viel weniger Aufwand eine gute Ernte und existenziellen Wohlstand für alle bringen, ohne dabei auf moderne Technik verzichten zu müssen. Durch ihre breite genetische Ausstattung können sie sich viel besser an klimatische Änderungen, lokale Standortbedingungen anpassen und Krankheiten und Schädlinge abwehren, als wenige, genormte Zuchtlinien.

Traditionelle Kulturpflanzen überzeugen durch ihre Vielfalt

Nachdem viele unserer Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Stockwechselstörungen, Herz- Kreislaufbeschwerden und Depressionen zumeist aus unserem Überfluss resultieren, stellt sich die Frage, ob der Verzicht auf Rekordernten und Produktionsüberschüsse wirklich eine verminderte Lebensqualität darstellt. Traditionelle Kulturpflanzen überzeugen mit ihren unterschiedlichen guten Geschmack, ihr teilweise ungewöhnliches Aussehen, ihre unterschiedlichen Erntezeitpunkte, und ihren versteckten genetischen Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit und Krankheitsresistenz. Nicht umsonst suchen die großen Pflanzenzüchter nach seltenen Landsorten, um resistente Sorten daraus zu entwickeln.

Moderne Hybridsorten können nicht zur Weiterzüchtung verwendet werden. Die Zuchtlinien, aus denen sie gekreuzt werden, sind Betriebsgeheimnis. Schließlich sind diese Forschung und die Prüfungen für Marktzulassung und Sortenschutz (einer Art Patent) mit enormen Kosten verbunden. Es ist allerdings fraglich, ob solche Pflanzen nach ein paar Jahren kurzfristigen Gewinnes einen langfristigen Nutzen bringen, denn Schädlingen und Krankheiten können sie nicht lange widerstehen.

Auch im Bioanbau kommen Hybridsorten zum Einsatz

Selbst im Bioanbau werden größtenteils Hybridsorten angebaut, weil viele Ökoprodukte sonst noch teurer wären. Auch wurden samenfeste Sorten, die Bauern und Gärtner selbst vermehren können, systematisch vom Markt genommen.

Es liegt nahe, dass die Weiterentwicklung einer breit angelegten Kulturpflanzenvielfalt und von die Natur schonenden Anbaumethoden für den großflächigen Anbau, aber auch für die kleinteilige Landwirtschaft unterstützt werden muss. Die massiven Subventionen an die industrielle Landwirtschaft müssen hingegen gestrichen werden ebenso wie viel zu laxe Regelungen für die Agrarchemie. Natur und Klima dürfen nicht länger zerstört werden, um für die Industrieländer billige Nahrungsmittel zu erzeugen.

Mehr denn je ist es wichtig, Sorten zu entwickeln, die mit den sich massiv veränderten Klimabedingungen und deren Folgen zurechtkommen. Die Forschung im Großen wie im Kleinen muss finanziell gewürdigt werden.

Öffentliches Bewusstsein für historische Sorten stärken

In den letzten Jahren rücken seltene Sorten von Kulturpflanzen wie Tomaten, Paprika, Chili, Gurken, Bohnen und historische Obstsorten glücklicherweise immer mehr in das öffentliche Bewusstsein. Fast überall ist das Gemüsesortiment in den Hausgärten bunter und aromatischer geworden. In der Sterneküche haben seltene Tomatensorten und deren unzählige kulinarische Variationen längst Einzug gehalten. Dieser Reichtum ist zahlreichen engagierten Pflanzenliebhabern, Gemüsegärtnern und Erhaltern zu verdanken. Am größten ist die Sortenvielfalt in Hausgärten, Schaugärten sowie auf den Flächen von Erhaltungsorganisationen wie dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Freie Saaten, Dreschflegel und anderen.

Auch der Staat und die Bundesländer finden zunehmend daran Gefallen, Biodiversität als politisches Ziel hervorzuheben. Viele Erhaltungsinitiativen wie der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), der Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt  oder private Sammler haben weder finanzielle noch staatliche Unterstützung. Doch werden gerade die engagierten Nutzpflanzenerhalter in ihrer Arbeit durch bürokratische Auflagen wie der EU- Erhaltungssortenverordnung (siehe:www.gesetze-im-internet.de/erhaltungsv/index.html ) blockiert.

Saatgutverkehrsgesetz schützt Hausgärtner nicht

Das Saatgutverkehrsgesetz macht für professionelle Anbauer einen Sinn, sich vor schlechter Saatgutqualität (Verkreuzungen, samenbürtige Krankheiten) und den daraus resultierenden Folgen von Ernteeinbußen zu schützen. Für die Hausgärtner bringt diese Verordnung keinen Schutz. Mit dem Kauf eines Saatgutpäckchens haben sie ein relativ geringes finanzielles Risiko. “Die Menschen sind aufgrund einer guten Beratung und den Vorzügen der seltenen Sorten an sich überzeugt und brauchen keinen bürokratischen Überbau. Ernährungs- und umweltbewusste Verbraucher wollen heute wieder Vielfalt im Garten und auf dem Teller haben.” (Zitat Dr. Susanne Gura: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt ( VEN ) Und sie sind auch bereit, für diese Qualität zu bezahlen.

Es wäre für Mensch und Natur sehr schade, wenn diese hoffnungsvolle Entwicklung durch Bürokratie, Lobbyarbeit, wirtschaftliches Gewinnstreben oder schlichtweg UNBEWUSSTES HANDELN im Keim erstickt wird.

Jahrtausendelang haben Hunderte von Menschengenerationen mit dem Wohlwollen der jeweiligen Pflanzenart die heutige Nutzpflanzenvielfalt geschaffen. Nahezu in jedem Bereich der Erde haben die Völker der Welt an unterschiedlichsten Standorten für ihre jeweiligen Bedürfnisse ganz spezielle Nahrungspflanzen selektiert und weitergezüchtet. Alleine im Bereich der Tomaten entstand innerhalb von 8.000 Jahren eine heutige Vielfalt von schätzungsweise 5.000 bis 10.000 Sorten.

Die meiste Zeit ihrer evolutionären Entwicklung hat das beliebte Fruchtgemüse in Süd- und Mittelamerika, genauer von Peru bis Mexiko verbracht. Mit der Kolonialisierung Amerikas durch die Europäer landeten ein paar Tomaten ins Reisegepäck. Innerhalb von nur 500 Jahren hat sich die Tomate ihren Platz in fast allen Teilen der Welt in die Gärten der Menschen erobert. Von Australien bis Sibirien entstanden unzählige neue Sorten. Die Tomatenpflanzen, die in halbwüstenähnlichen Gebieten mit monatelangen Trockenzeiten über Jahrtausende kultiviert wurden, mussten sich nun oft z.B. an kühlere, regnerische oder kürzere Sommer gewöhnen. Manche gewöhnten sich ein Dasein als kompakte Topfpflanze an und andere konnten unter Gewächshausbedingungen meterweise in die Höhe schießen.

Der Ertrag und Früchte wurden an veränderte Anbauweisen und Ernährungsgewohnheiten weiterentwickelt. Besonders im 18.ten und 19 Jahrhundert entstanden zahlreiche neue bunte Formen. Gartenkataloge von 1860 dokumentieren neben den bekannten roten Tomaten bereits Sorten mit Gelbrosa, weißen oder schwarzen Früchten.

Dank des Engagements von Nutzpflanzenerhaltungsinitiativen wie der VEN, Arche Noah, Journalisten und (Haus-) Gärtnern /Gärtnerinnen ist die Bedeutung der Sortenvielfalt wieder mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Das verstärkte Interesse ist bitter notwendig mehr als 75 % unserer Kulturpflanzenvielfalt ist in den letzten 60 Jahren verloren gegangen.

Nun entstehen in vielen Hausgärten neue Sorten durch Auslese, durch ungeplante Verkreuzungen, durch gezielte Züchtungen.... Ebenso verändern sich auch bestehende Sorten. Das ist für mein Empfinden richtig. Denn die Sorten müssen sich an veränderte Bedingungen gut anpassen, sich wie ein Computerprogramm sich ständig aktualisieren, können.

Mit ihren leckeren Früchten schaffen es die Tomaten, das wir uns um die sensiblen Pflanzen kümmern. Nahezu in jedem Hausgarten wachsen Tomaten. Und auch bei mir haben sie meine ursprüngliche Tätigkeit als Staudengärtnermeisterin mit dem Werk der lilatomate in ein reiches Leben verwandelt.

In der riesigen Welt der Pflanzenarten ist die Bedeutung der Gattung Tomaten verschwindend gering. Dennoch haben es gerade diese Nachtschattengewächse mit ihren köstlichen Früchten es geschafft zum beliebtesten Gemüse zu werden. Deshalb finden Tomatenpflanzen trotz ihrer Allüren mit Braunfäule und Co immer einen Platz im Garten oder auf dem Balkon.

Sie haben eine einzigartige erfolgreiche Geschichte hinter sich und sind immer noch auf Erfolgskurs. Wer kann das nach 500 Jahren Globalisation schon behaupten?